Ausblick: Stiftungen im Jahr 2020

Das Magazin DIE STIFTUNG wagte vor kurzem einen Jahresausblick 2020. Auch Philipp Hof als Geschäftsführer des Haus des Stiftens gehörte zu den Interviewpartnern. Er zeigte eine Liste von Herausforderungen auf, denen Stiftungen seiner Meinung nach im nächsten Jahr begegnen werden. Lesen Sie hier weitere Details. Vorab sei verraten: Corona hat zum Zeitpunkt des Interviews noch keine Rolle gespielt.

Geringe Zinsen auf Anleihen
Weltweit ist viel Liquidität vorhanden, der nicht genug Anlageoptionen gegenüberstehen. Zusätzlich kommen die Entwicklungen der Notenbanken hinzu, die weltweit Zinsen senken. Es gibt wenig Anzeichen, dass man bei den aktuellen Zinssätzen in den nächsten Jahren Erträge mit Anleihen realisieren kann, mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Ertragssituation von Stiftungen, die immer noch stark in Anleihen investiert sind.

Gute Alternativen zu Anleihen sind nicht leicht zu finden. Immobilien, Gold und Aktien sind historisch hoch bewertet, haben aber das Potenzial auf weitere Kurssteigerung. Das Risiko auf erhebliche Verluste bei diesen Alternativen sehen die Experten sehr unterschiedlich gegebenenfalls durch politische Umwälzungen oder Natur- und Umweltkatastrophen. Stiftungen sind aus unserer Sicht gut beraten, ihre Anlagen stark zu diversifizieren und sich gute Vermögensberater oder Vermögens- und Fondsmanager zu suchen.

Nachhaltige Vermögensanlage (ESG)
Das Thema Nachhaltige Vermögensanlage (ESG) wird deutlich an Gewicht zunehmen. Wenn man mit der Vermögensanlage auf der Ertragsseite nicht viel Positives erreichen kann, so wird die Anforderung, zumindest mit der Anlage nicht viel Negatives zu bewirken, deutlich an Gewicht zunehmen. Unsere Annahme ist, dass sich Stiftungen, die in den nächsten zwei Jahren nicht proaktiv in eine gute nachhaltige Anlage investieren, sich dafür in Zukunft rechtfertigen müssen. Selbst viele klassische Vermögensberater richten sich derzeit deutlich auf ESG aus.

Rechtlicher Rahmen
Der rechtliche Rahmen für Stiftungen bleibt komplex. Die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Stiftungsverwaltung durch Themen wie Datenschutz, Steuerthemen, Haftungsfragen bleibt eine zentrale Herausforderung im Stiftungsalltag. Eine substanzielle Verbesserung durch die Politik und eine Stiftungsrechtsreform sehen wir derzeit leider nicht.

Wirkung im Fokus
Die Entwicklung dahingehend, Wirkung in den Mittelpunkt des Engagements zu setzen, wird aus unserer Sicht auch bei Stiftungen in den nächsten Jahren weitergehen. Insbesondere die Öffentlichkeit wird weiter Antworten auf die Frage hören wollen, was mit den steuerbegünstigten Geldern für die Gesellschaft erreicht wurde. Die Rolle guter Projektpartner bleibt dadurch weiterhin zentral wichtig.

Ausbau von Kooperationen
Speziell in Zeiten fundamentaler Umwälzungen sind Stiftungen eine der großen Hoffnungen der Zivilgesellschaft. Es gibt mehr als 20.000 Stiftungen in Deutschland und für alle Herausforderungen werden und wurden Lösungen gefunden. Wir müssen aber als Sektor besser darin werden, dieses Wissen und die vorhandenen Tools allen zugänglich zu machen. Aus diesem Grund teile ich die Auffassung vieler Experten: Gerade jetzt brauchen wir den Ausbau von Kooperationen, Netzwerken und Partnerschaften.

Foto: Magele Picture, stock.adobe.com

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